Das Ende der Wirtschaftskrise
So bedauerlich es klingen mag, die Wirtschaftskrise ist beendet. Zu meinem Leidwesen muss ich gestehen das ich unmittelbar nichts von dieser “Krise” mitbekommen habe. Mit Ausnahme vielleicht von ner Menge Zeitungsüberschriften und das jeder zweite Kollege plötzlich nen Neuwagen fährt.
Doch während man sich in Villa Bacho wieder die Hände reibt, vergeben geistesgestörte Banker bereits großzügig Baukredite ohne sich über die Konsequenzen auch nur eine Sekunde Gedanken zu machen.
Einst zu Zeiten der Depression genossen wir unsere Insellage hier mitten im neu geschaffenen Industriegebiet. Der Ausblick war phänomenal und wenn man ganz leise war konnte man sogar das Meer rauschen hören. Und Leise war es hier öfter mal. Dann und wann eine Wüstenrose (die Rolldinger aus dem Western), ab und zu verirrte sich auch mal jemand hierher, ansonsten nur wir und die endlose Weite.
Man konnte sogar die Rettungswägen der Kollegen rechtzeitig genug einrücken sehen, um ihnen die Tiefkühlpizza in den Ofen zu hauen. Sind sie dann eingeparkt war das Essen fertig.
Auch die einmalige Fauna hier im Umland hat dem gemeinen Rettungsmenschen zwischen den Einsätzen viel Freude bereitet. Da gab es den Herrn Fasan, der gerne mal morgens um fünf lauthals auf sich aufmerksam gemacht hat und dank dieser Bemühungen auch irgendwann eine Frau Fasan am Start hatte.
Ein Rebhunpärchen hatte sich hinter die Wache verirrt und eine Feldlärche verzauberte uns mit ihrem permanenten Gesang.
Die größte Freude haben uns aber die Rüdigers gemacht. Rüdiger hießen die Feldhasen, die hier in und um die Wache gelebt haben und weil man sie so schlecht auseinanderhalten konnte, hießen sie halt alle irgendwie Rüdiger. Irgendwann hatten die Rüdigers sogar kleine Rüdigers bekommen und wir hatten eine ganze Feldhasensippe hier wohnen, deren Größe lediglich durch die nahe Durchfahrtsstrasse limitiert wurde.
Die Jungrüdigers waren so zutraulich, das sie sich auch gerne mal vor den Wintergarten zum fressen gehockt haben. Das war so -man verzeihe mir den derbe unmännlichen Ausdruck- niiiiiedlich, das selbst die hartgesottensten unter unseren Carnivoren nicht mehr an Hase auf Toast denken mussten.
Ja so war es damals zu Zeiten der Rezession und wir haben gehofft es würde niemals wieder Aufwärts gehen mit der ollen Wirtschaft.
-Pustekuchen-
Jetzt wird man morgens von den Jungens vom Bau geweckt die in der ihrer Art innewohnenden Lautstärke rege Konversation betreiben. Als wäre das nicht schon genug hat auch jeder von ihnen die Lizenz zum Führen einer Baumaschine deren Zweck sich weder dem Zuschauer noch dem Maschinisten selbst erschließt. Die aber kann einen Höllenlärm machen und bringt die Wache so zum vibrieren, das selbst die lärmignorierenden Kampfschläfer von der Matratze gerollt werden.
Und was erspäht der derartig geweckte, wenn er sich in den Aufenthaltsraum schleppt um mit einem koffeinhaltigen Warmgetränk den Morgen zu retten?
Einen putzigen kleinen Rüdiger, wie er vor dem Fenster Wachenkarotte mümmelt?
Nix da….seit der Wiedervergabe von Baukrediten bekommt man nur noch ein Baggerballett zu sehen.
Leider ist es uns nämlich vor Baubeginn nicht mehr gelungen ein vom Aussterben bedrohtes Seeadlerpärchen auf der Wiese hinter der Wache anzusiedeln, das wir bei einem Patienten haben mitgehen lassen. Ansonsten wären wir für immerdar als einzige Rettungswache inmitten eines Naturschutzgebietes in die Geschichte eingegangen, auch wenn es da möglicherweise Intressenkonflikte mit Familie Rüdiger gegeben hätte.
Wer kann denn aber ahnen das Seeadler nicht auf Wiesen leben?
Ist das nicht schön? Ich bin sowieso erstaunt wie wir alle diese Riesenkrise überleben konnten…
Ausser neuen Autos hat sich bisher tatsächlich kaum was geändert…
Und naja… Auf Rettungswachen immer nur Rüdigers zu sehen wird doch auch irgendwann langweilig
….großartig!
Ich glaube mit der Wespenspinne hätten wir ne echte Chance gehabt.
Oder gelten Tataren im benachbarten Birkenwäldchen auch als Grund für ein Naturschutzgebiet?
Nicht aufgeben Jungs. Wir werden schon noch ein vom Aussterben bedrohtes Tier finden. Insgesamt stehen 41.415 Arten auf der Roten Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten und diese Angaben sind von 2007!
Ich geb’s zu. Ich bin ein Klugscheißer. Ein ganz furchtbarer. Aber ich kann nicht anders
Die Dinger heißen Steppenläufer, Wüstenrosen sind was anderes.
Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Steppenläufer_(Pflanze) und http://de.wikipedia.org/wiki/Wüstenrose
Danke für’s lesen, ‘tschuldigung für’s Klugscheißen =)
ich empfehle hornissen. unangenehm zwar, aber noch relativ leicht zu finden, vergleichsweise anspruchslos in der haltung und stehen unter naturschutz … reicht das schon? oder muß es wirklich ein tierchen sein, von dem es europaweit nur noch 3 exemplare gibt, von denen 2,5 männlich sein müssen?
10 Hornissenstiche später habe ich das Projekt “Rettet unsere Insellage” gecanceled.
@Vincent…
Du bist ein Klugscheißer….aber trotzdem danke für deine Aufklärung.