Langsam langts… (Rettungsassistenten – beschäftigungstherapie III)
Nach dem Beiwohnen eines Spiels der besten Fußballmannschaft der Welt, die dieses Spiel 5:0 für sich entschied war ich der festen Überzeugung nichts und niemand könne mir im Nachtdienst direkt im Anschluß die Laune verderben.
Gut eigentlich wäre ich natürlich lieber losgezogen und hätte mir in geselliger Runde die Synapsen verklebt aber meine Freiwünsche und die Spielterminierung liefen leider etwas asynchron. Gut….man kann auch ohne Alkohol lustig sein und meiner Laune tat der anstehende Dienst keinen Abbruch.
Es folgte der erste Einsatz, ein Krankentransport aus einem Altenpflegeheim in das Krankenhaus “Da-fahren-wir-sonst- eigentlich-fast-nie-hin”. Vor Ort wurden wir, angesichts der mitgebrachten Trage, erst einmal durch eine verdutzt dreinblickende Altenpflegerin begrüßt, die sagte:”Ach hat das mit dem Tragestuhl doch nicht geklappt?”
“Hmm nö wir wissen von keinem Tragestuhl, bei uns wird eh nur liegend gefahren, wir sind n Rettungswagen wissen Sie?”
“Ja gut,…Sie können hier warten, ich hole den Patienten, der kommt zu Fuß.”
“Äh……zu Fuß?”
“Ja der hat morgen einen OP Termin im Krankenhaus “Da-fahren-wir-sonst- eigentlich-fast-nie-hin”. Das habe ich aber alles telefonisch abgesprochen.”
*Notitz an mich selber: Im Blog den nächstbesten Störstellisten in der Luft zerreißen*
Gesagt habe ich: “Hmmm das ist ja interessant.”
Früher haben wir solche Sitzendtransporte, Transporte im Rollstuhl und ähnliches immernoch an BTW-Unternehmen abgegeben, weil wir A) die Notfallabdeckung für wichtiger erachtet haben, B) den einweisenden Ärzten schlichtweg Unkenntnis über die unterschiedlichen Rettung- und Transportmittel unterstellt haben und C) Rollstuhlpatienten in einem Rollstuhltransporter wesentlich besser bedient sind, weil das umlagern entfällt. Angesichts der jetzigen “Konkurrenzsituation” im Kreis fahre ich auch solche Transporte ohne Hemmungen.
Frei nach dem Motto: “Fahren wir s nicht fahren die das”, wird alles transportiert was einen korrekt ausgefüllten Transportschein vorzeigen kann.
Trotzdem hat uns natürlich interessiert wie man dazu kommt einen durchaus taxifähigen Patienten mit einem Rettungsmittel in ein Krankenhaus fahren zu lassen. Immerhin…..was natürlich eigentlich nie der Fall ist in der Phantasie von Rettungsmenschen aber eine große Rolle spielt….könnte ja just in dem Moment wo man mit einem derartigen Transport unterfordert wird irgendwo ein Flugzeug abstürzen, ein Zug entgleisen oder anderweitig ein großes buntes teures Rettungsauto vonnöten sein.
Und jetzt kommts: “Der OP Termin ist zu kurzfristig anberaumt worden, für die Genehmigung eines Taxitransportscheines brauchen die Krankenkassen 5 Tage, deswegen müssen Sie den Transport jetzt fahren.”
Eine derartig dreiste Verschwendung eines Rettungswagens, als Auswuchs einer pervertierten Krankenkassenbürokratie hat bei mir nur noch Sprachlosigkeit hinterlassen.
Das Tüpfelchen auf dem i war dann der, übrigens gefaxte, Transportschein auf dem das Feld “medizinisch fachliche Betreuung erforderlich” mit JA angekreuzt war, mit dem Zusatz: “Lagerung”. Damit ist der Schein natürlich über jeden Zweifel erhaben und liefert gleich die Begründung warum der Patient in einem RTW sitzen muss und nicht in einem Taxi sitzen kann. Gelagert wurde der Patient dann auch nach allen Regeln der medizinischen Kunst. 90° Oberkörperhochlagerung auf einem Betreuerstuhl.
Ich liebe unsere Tragestühle im RTW
damit erspart man sich wenigstens auch die KTW-Besatzung nachts zur Tragehilfe aus dem Bett zu holen…
Und Krank ist realtiv….
Wie herrlich.
Hätte ich persönlich schon am Telefon abgewimmelt…
Hmmm, fünf Tage? Von wem kommt die Aussage?
Ich kenn das zumindest aus dem KH so, das ärztlicherseits ein Taxischein ausgestellt werden kann. Dauert 2 Minuten und erfordert keine Rücksprache mit der Krankenkasse, meist müssen die Pat. einen Eigenanteil (frag mich nicht genau wie viel, aber wenig) dazuzahlen.
Und die KK schneidet sich doch ins eigene Fleisch, oder fahren die RTWs für weniger Geld als ein Taxi? Dann weiß ich ja schon, wer mich demnächst mal wenn ich besoffen bin nach Hause fahren darf, bin ja schließlich auch nicht Krösus
Man oh man!
hoffentlich fall ich euch eingebildeten nicht mal in die Finger.
Muß ich mich jetzt schämen wenn mein Arzt einen Krankentransport bestellt und mich bei euch entschuldigen ???
@ alter Mann
solange ein Transport gerechtfertigt ist selbstverständlich nicht.
…sollten Sie einmal dringend einen Rettungswagen benötigen, während die zuständige Wache mit “Taxifahrten” ausgebucht ist, werden Sie vermutlich verstehen was hier gemeint ist…
Der Taxi Transportschein muß wirklich enige Tage vorher ausgestellt und von der Krankenkasse genehmigt werden. Deswegen bin ich auch mal auf einem netten Stapel rechnungen sitzen geblieben, weil im nachhinein geht da nichts mehr.
“Krankentransporte zur ambulanten Behandlung bedürfen der vorherigen Genehmigung
durch die Krankenkasse. Dies gilt nicht für Fahrten zu einer vor- oder
nachstationären Behandlung gemäß § 115 a SGB V oder zu einer ambulanten
Operation gemäß § 115 b SGB V.”
Das gleiche gilt für Fahrten zur stationären Aufnahme: Auch hier sind die Fahrten mit dem Taxi n i c h t vorher genehmigungspflichtig.
(Wenn der Patient öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder zu Fuß ins Krankenhaus gehen kann, darf natürlich ebenfalls kein “Taxi”schein ausgestellt werden.)
Vorher genehmigungspflichtig sind Taxifahrten zur ambulanten Behandlung, weil diese nur noch in Ausnahmefällen von den Krankenkassen erstattet werden (z.B. Dialyse, Chemo- oder Strahlentherapie, Gehbehinderung mit aG im Schwerbehindertenausweis, Pflegestufe 2 oder 3 etc.).
Alles hier (http://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/25/) sehr verklausuliert nachzulesen.
Also: Es bestand überhaupt kein Grund in diesem Fall, Gelder zu verschleudern und Rettungsmittel zu blockieren.
@ Sebastian: Da lass ich mich mal überraschen.
@ Alter Mann: Polemiker.
@Herr Schütte
Danke für die Aufklärung & Mühe, wobei das natürlich noch Salz in die Wunde ist.
@alter Mann
dazu ist ja eigentlich schon alles gesagt. Man muss sich nicht wundern das die Krankenkassenbeiträge stetig steigen, wenn jeder eingewachsene Zehnagel meint er muss mit dem Rettungswagen in das beste Krankenhaus am Platze gebracht werden. Das Problem ist ja nicht das alle Welt kränker wird, sondern nur anspruchsvoller.
Keine Sorge Sven, erst in der vergangenen Nacht so praktiziert
Lieber Herr JoeKanone,
ich möchte mich auf diesem Wege bei Ihnen bedanken! Sie schaffen es immer wieder mich doch ziemlich zu belustigen – um nicht sogar von bespaßen zu sprechen!
Ihre Arrogant in Bezug auf Ihren Beruf beängstigt mich jedoch zunehmend. Aber das werden wir vermutlich nicht mehr ändern können.
Sie scheinen den Ernst der Lage nicht zu verstehen. Rettungsdienst heißt schon lange nicht mehr nur auf der Wache zu sitzen und auf den Mega-Notfall zu warten! RD heute ist Krankentransport UND Notfallrettung!
Wer dann noch lautstark fordert, dass anfallende KT’s im eigenen Wachgebiet an private Rettungsdienste abgegeben werden sollen – der merkt scheinbar nicht, dass er sich selbst damit das Wasser abgräbt. Die Fahrzeugvorhaltung wird nicht nur anhand der Notfalleinsätze berechnet. Die anfallenden KT’s fallen dort genauso mit hinein. Sind diese stark rückläufig – dann wird natürlich auch die Fahrzeugvorhaltung (und damit die Mann-Stunden) reduziert. Wollen Sie das wirklich?
Auf die Idee, dass die Leitstelle (die Sie immer nur Störstelle nennen) meistens mehr Informationen über Einsätze hat als Sie, darüber scheinen Sie noch nicht nachgedacht zu haben? Anders lassen sich diese talentfreien Beiträge wohl kaum erklären.
Und eine letzte Bemerkung: “Notiz” schreibt man ohne “tz”.
Gruß aus dem Nirgendwo
Lieber Aua im Kopf mit der mir wohlbekannten I.P.,
vielen Dank für die erleuchtenden Worte in Bezug auf das Rettungsleben, war ich doch bis heute dem Glauben verfallen mein Leben besteht eigentlich ausschließlich aus Meganotfällen, Wachesitzen und Fehldispositionen.
“Iiiich? Krankentransport? Muss n Irrtum sein.”
Aber mal im Ernst….ich kann zwar der Argumentation folgen, sein Ursprung erschließt sich mir in keinster Weise. Ich finde einfach nicht die Stelle im Artikel in der ich als Autor lautstark fordere KT`s an private Anbieter abzugeben?
Zum einen lag die Betonung auf -Früher-, zum anderen waren die an Andere abgegebenen Transporte eher dem Formenkreis der Taxifahrten zuzuordnen.
Eine stärkere Unterscheidung zwischen Krankenfahrt und Krankentransport würde insgesamt gesehen, sowohl dem System und seinen Durchführern (das bin ich), als auch den Kosten und seinen Trägern und damit im Endeffekt den Beitragszahlern (das bin auch ich) gut tun.
Das der Hebel dafür bereits im Vorfeld angesetzt werden muss, durch bewußtere Entscheidung durch die verordnenden Ärzte und konsequentes Abturfen durch die Lötstelle (Ich kann auch anders) und nicht durch das vor Ort befindliche Rettungsteam ist doch wohl klar, oder?
Was die Informationspolitik der Störstelle angeht habe ich diese ja bereits mehrfach in anderen Artikeln angekreidet. Schön wäre es, wenn die Telefonisten( HA! HA!) ihren Informationsüberschuß regelmäßig mit der entsandten Rettungscrew teilen würden.
So….habe fertig. Ich hoffe ich kann Sie auch in Zukunft mit meinen talentfreien Beiträgen bespaßen.
Gruß aus dem Irgendwo
P.S.: Arroganz schreibt man mit “z” (selfpwned *g*)
Och Kinners…
Warum muß man immer gleich aufeinander rumhauen? Warum können nicht alle Beiträge so sachlich bleiben wie jener des Dr. Schütte?
Klar, es frißt einen unheimlich an, wenn man einen langweiligen KT fahren muß, während kurz nach Drücken der “7″ (Patient aufgenommen) ein spannender Notfall im eigenen Wachgebiet den Einsatz des RTW von der Nachbarwache generiert. Und erst recht dann, wenn der eigene langweilige KT irgendwie überflüssig wirkt.
Natürlich ist das ganze Gesundheitswesen sch**sse strukturiert und jedem Praktiker ist sonnenklar, wo Gelder verschwendet werden (unnötige Fahrten für eingewachsene Zehennägel, Patienten mit Taxifahrpotential, etc) und wo Gelder zu Unrecht gekürzt werden, während aus unserer Sicht jeder Mitarbeiter einer Krankenkasse, Arztpraxis sowie des Gesundheitsministariums exakt NULL Ahnung von unserem Job hat, von den tatsächlichen Einsparpotentialen und vor allem davon, wie ätzend es ist, nachts aufzustehen um den seit mindestens drei Tagen klemmenden Furz durch die Gegend zu schaukeln.
Aber unser Job ist es nunmal, und wir haben ihn uns ausgesucht und (ich jedenfalls) mach ihn immer noch und immer wieder gerne. Weil die ewige Dialysekutscherei ab und zu unterbrochen wird durch Notfälle, in denen ich zeigen kann, was wirklich in mir steckt. Und weil mein Chef mir für die von mir in Anspruch genommene Zeit eine gewisse Pacht zahlt.
Niemand wird das Gesundheitssystem ändern, indem er sich in seinem Blog auskotzt, noch indem er auf solche Beiträge unsachlich antwortet. Wenn überhaupt wird es funktionieren, indem man miteinander spricht (und auch die gesetzlichen Grundlagen seiner Argumente kennt) – was wäre denn passiert, wenn Du der Altenpflegehilfshelferin einfach den von Dr. Schütte zitierten Auszug aus den Spielregeln aufgesagt hättest? Sie hätte vermutlich ein Taxi bestellt.
Fazit: Jeder kann an der Sinnlosigkeit seines Tuns selber mitwirken – oder spannende Stories für’n Blog suchen.
q.i.d.
1. Der Blog wäre stinklangweilig, wenn ich stets bemüht wäre in aller Sachlichkeit mich mit Problemen im Rettungswesen auseinanderzusetzen. Meine Berichte haben nicht den Anspruch Objektiv zu sein, sondern sind ganz bewußt schwerst subjektiv, überspitzt und bissig.
2. In den Kommentaren darf man dazu gerne seine eigene Meinung präsentieren, die ich dann manchmal versuche möglichst sachlich zu beantworten.
3.Hätte ich den von Dr.Schütte zitierten Auszug parat gehabt, hätte das nichts an dem bestehenden Transportauftrag oder dem real existierenden Transportschein geändert. Wohl aber hätte ich vor Ort noch ein bischen mehr über Sinn und Zweck des Rettungs- und Krankentransportwesens referiert.
4. Worum es mir geht steht hier in den Richtlinien des Bundes
§ 6 Krankentransporte
(1)Ein Krankentransport kann verordnet werden, wenn der Versicherte während der Fahrt einer fachlichen Betreuung oder der besonderen Einrichtung des Krankentransportwagens (KTW) bedarf oder deren Erforderlichkeit aufgrund seines Zustandes zu erwarten ist. Die fachliche Betreuung in Krankentransportwagen wird nach den maßgeblichen landesrechtlichen Vorschriften durch qualifiziertes nicht-ärztliches Personal gewährleistet. Die medizinisch-technische Einrichtung ist auf die Beförderung von Nicht-Notfallpatienten ausgelegt.
§ 7 Krankenfahrten
(1)Krankenfahrten sind Fahrten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln, privaten Kraftfahrzeugen, Mietwagen oder Taxen durchgeführt werden. Zu den Mietwagen zählen z.B. auch Wagen mit behindertengerechter Einrichtung zur Beförderung von Rollstuhlfahrern. Eine medizinisch-fachliche Betreuung des Versicherten findet in diesen Fällen nicht statt.
Für mich sind diese Richtlinien recht eindeutig und die Interpretationsmöglichkeiten sind sehr begrenzt. Wenn ich also mit einem Mehrzweckfahrzeug für Rettungs- und Krankentransporte für eine Krankenfahrt mißbraucht werde, werde ich weiterhin hier im Blog in meiner nonchalanten Art darüber berichten.
…und genau DESWEGEN habe ich beide Möglichkeiten offen gelassen…